Wörterbuch der nationalen und regionalen Varianten der deutschen Standardsprache

Ein internationales Forschungsprojekt am deutschen Seminar der Universität Basel in Verbindung mit der Universität Duisburg-Essen, Bundesrepublik Deutschland, und der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Österreich.

Adresse: Nadelberg 4, CH - 4051 Basel
Telefon: +41 61 267 12 26 / 267 34 26

Kontakt: Hans.Bickel@unibas.ch

Beteiligte:

Dr. phil.        Hans Bickel 
Dr. phil.        Lorenz Hofer 
Dr. des.         Markus Gasser
Prof. Dr. phil.  Heinrich Löffler
Prof. Dr. phil.  Robert Schläpfer †
Dr. phil.        Regula Schmidlin
Studentische Hilfskräfe

Ziel des Projektes war die möglichst vollständige Erfassung der nationalen und regionalen standardsprachlichen Varianten des Deutschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Südtirol und Ostbelgien und deren Publikation in einem Wörterbuch. Das Wörterbuch erscheint Anfang Dezember 2004 unter dem folgenden Titel:

Die deutsche Standardsprache ist kein vollständig einheitliches Gebilde, vielmehr ist sie plurizentrisch. Das heisst, sie unterliegt innerhalb des geschlossenen deutschsprachigen Gebiets beträchtlicher Variation (Ammon 1995): Das Deutsche ist in sieben europäischen Staaten Amtssprache (Belgien, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Italien, Österreich, Schweiz). Verwaltung, Recht und Institutionen sind wichtige Instanzen bei der Herausbildung verschiedener, an nationalstaatliche Gebilde gebundener sprachlicher Standards. Aber auch die Sprache der Medien und Bereiche der alltäglichen Verwendung von Standardsprache sind deutlich plurizentrisch. JedeR dürfte dies aus eigener Anschauung wissen. So gibt es in Deutschland beispielsweise "verkaufsoffene Sonnabende", in der Schweiz sollte nicht mit dem "Pneu auf dem Trottoir parkiert" werden (ebensowenig wie anderswo mit dem "Reifen auf dem Gehsteig geparkt" werden sollte), und in Österreich reissen "Schuhbänder" oder man schlägt den "Obers mit der Schneerute" (in der Schweiz den "Rahm mit dem Schwingbesen", in Deutschland die "Sahne mit dem Schneebesen"). Standardsprachliche Variation dieser Art wurde bisher kaum systematisch untersucht und in Wörterbüchern zugänglich gemacht. Am ehesten wurden Varianten dargestellt, die im deutschen Deutsch nicht gebräuchlich sind, sondern spezifisch etwa für Österreich (Ebner 1998 [1969]) oder die Schweiz (Meyer 1989). Eine Darstellung von nur in Deutschland üblichen Varianten fehlt bisher vollständig. Die lexikographische Beschreibung nationaler Varianten der deutschen Standardsprache und ihre Verfügbarmachung in Form eines Wörterbuches, das auch für LernerInnen von Deutsch als Fremdsprache und für interessierte Laien benutzbar ist, ist das erklärte Ziel.

Für die Ermittlung der nationalen Varianten wurde ein aktuelles Korpus von verschiedenen thematisch breit gefächerten Textgattungen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, aber auch aus Südtirol, Luxemburg und Liechtenstein ausgewertet. Zur Ermittlung der Varianten arbeiteten die drei Forschungsteams in Österreich, Deutschland und der Schweiz eng zusammen. Zusätzlich zu herkömmlichen lexikographischen Hilfsmitteln wie Wörterbüchern, Lexika und Spezialliteratur wurde neu das riesige Textkorpus des WWW mit schätzungsweise 125 Milliarden Wörtern herangezogen.
Das Projekt hat internationalen Pioniercharakter. Bisher ist noch für keine europäische Standardsprache ein umfassendes Spezialwörterbuch mit nationalen und regionalen Varianten erstellt worden.

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